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Sattler
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Riemer, Sattler und Tapezierer
Sattlermeister und ihr Handwerk
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Kummet, Zugzeug und Reitsattel
Herstellung Kummet, Zugzeug und Reitsattel
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Die Riemer, Sattler und Tapezierer

Bereits 1259 wird in Judenburg der Sattler Heinricus genannt. Sattlerhandwerksrechte werden in Graz im Jahr 1293 bestätigt. Die Sattler bildeten die älteste steirische Handwerksbruderschaft. Sie gehören im 14. und 15. Jahrhundert zu den wohlhabenden Handwerkern.

Schutzpatron der Gerber: Johannes Baptist 

SattlerSeit 1747 besteht in Feldbach der Sattler-, Riemer-, Tapezierer- und ehemals auch Lackiererbetrieb der Familie Harpf. Einst waren die Sattler und Riemer wichtige Rüstungshandwerker, Hersteller von Sätteln, Pferde- und Ochsenkummeten, von Zugzeug für Rinder und Pferde sowie die Endfertiger von Kaleschen, Kutschen, Feuerwehrwagen und Steirerwagerln, an denen die Tapeziererarbeiten, aber auch die Lackierungen durchgeführt wurden. Seit 6 Generationen wird in der alten Harpf-Werkstätte dasselbe Handwerk mit fast denselben Werkzeugen wie vor 250 Jahren ausgeübt. Heute dominiert das Tapezieren von Sitzmöbeln, während alle anderen zuvor genannten Produkte in dieser Werkstätte kaum noch angefertigt werden. Vereinzelt müssen noch Reitsättel oder Riemen repariert werden. Das letzte Pferdekummet fertigte Meister Martin Harpf um 1975 an.

Die Farben für die Lackierungsarbeiten wurden in der Werkstätte zubereitet. Farbige Steine, die man in den umliegenden Steinbrüchen sammelte, wurden im Mörser klein zerstoßen und mit selbstgebranntem (erhitztem) Leinöl vermischt. Danach erfolgte unter Beimengung von Terpentin die Feinreibung mit der Hand auf dem Farbreibstein. Auch das Terpentin musste in der hauseigenen Werkstätte hergestellt werden. Im eigenen Wald wurden Lärchenbäume geschlagen, das austretende Harz gesammelt und in der Werkstätte zu Terpentin gebrannt.

Das in der Werkstätte zur Verarbeitung benötigte Leder gerbte und färbte Meister Harpf selbst. Die Schweinehaut, zuvor mit speziellen Messern vom Fett befreit, kam in ein Alaunbad, wo sich die Haut erweichte. Der Gerbungsprozess erfolgte in einem verschlossenen Fass unter Zugabe von zerriebener Eichenrinde. Dann wurde das Fass mit Inhalt in eine Erdgrube gestellt und mit Erde überdeckt, wodurch die für den Gerbvorgang wichtige gleichmäßige Temperatur erzielt werden konnte. War der Gerbvorgang beendet, spannte Harpf die Lederhaut auf ein Gestell und rieb diese mit Ripsöl ein. Wurde schwarzes Leder benötigt, so vermischte er Ofenruß mit heißem Terpentinöl und tränkte damit das Leder. Der gesamte Arbeitsvorgang vom Schlachten des Schweins bis zum fertigen Leder dauerte ein Jahr.

Als Gerbstoffe wurden auch die Rinden der Weide, Fichte oder Tanne verwendet. Von den Gallengerbstoffen seien die Knoppern („Knoupln“) genannt. Durch den Stich der Knoppernzellwespe in die jungen Eicheln der Stieleiche verkümmert die Eichel und wird unförmig. Diese verkümmerte Frucht ist stark gerbstoffhältig. .

In der Werkstätte Harpf blieben fast alle Handwerkzeuge seit 1747 erhalten und auch in Verwendung. Dazu gehört das Ochsenhorn zum Auftreiben des Leders, das halbmondförmige Sattlermesser für starkes Leder, der Gurtenspanner, die Gurtenzange, mehrere Reifeneisen (Reiffeleisen) zum Eindrücken von Verzierungen und der kostbare, aus einem Stück geschmiedete Sattlerhammer. Im Lagerraum stehen noch der Farbreibstein und der hölzerne Kummetstock, auf dem das Halsgeschirr für die Pferde angefertigt wurde.

Um 1880 kam die erste Nähmaschine in die Werkstätte. Wegen der Lederstärke wurde bis nach 1945 Leder, das man in das Sattlerrössl (eine Arbeitsbank mit hölzerner Klemmvorrichtung) spannte, mit der Hand genäht. Zu den weiteren Handwerksgeräten gehören das Glättholz, Stanz- und Locheisen, Messer und Scheren.

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Kummet, Zugzeug (Geschirr) und Reitsattel

Man unterscheidet zwei steirische Pferdekummete. Das ältere ist das „Kisskummet“ (Kissenkummet) und das seit rund 100 Jahren übliche, das „Leibkisskummet“.

Leibkisskummet und Kisskummet

 Der Feldbacher Sattlermeister Martin Harpf verwendet für die Anfertigung des Kisskummets eine „lohgore Sauhaut“. Das ist eine steife, nicht fette Schweinehaut, die er im Wasser einweicht – vier Teile in Streifenform (ca. 10 cm breit) – und herausschneidet. Diese 4 Teile werden zu je zwei Röhren zusammengenäht und mit dem Füllstock aus Eisen mit Roggenstroh fest gefüllt. Dann werden beide Teile an der schmalsten Stelle aneinander genäht. Nun liegt der so genannte „Bausch“ vor, der über den Kummetstock gestülpt und mit dem Kummetschlegel oder Hammer so lange fest geschlagen wird, bis er flacht und fest an der Innenseite die Form eines Pferdehalses annimmt. Der Kummetstock ist ein hoher zylindrischer Holzstock, der für die Anfertigung des Kummets den Pferdehals ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt ist das Leder vom Bausch noch immer nass und muss zum Trocknen an die Sonne gehängt werden.

Der Sattler verwendet dafür einen speziellen Erdstamm der Weißbuche, der auf einer Anhöhe wächst, weshalb er auch Hohenbuche genannt wird. Kleine aus dem Boden aufragende Weißbuchentriebe werden halbrund gebogen und an einem Stock festgebunden, so dass der Baum gebogen aufwachsen muss. Als nächsten Einzelteil schneidet Harpf starkes Bauernleinen zu, vernäht es in Kummetenform und füllt dieses mit dem hölzernen Füllstock mit Rosshaar. Damit liegt die Grundform für das Kiss oder Leibkiss vor, das über den Kummetstock gestulpt und mit dem Kummetschlegel und Hammer in die richtige Form geschlagen wird.

Jetzt wird der Bausch mit einer Riemenahle durchstochen, Ledernäheriemen durchgezogen und an der Innenseite vom Klester fest anliegend mit Nägeln befestigt. Der rosshaargefüllte Leibkiss, der am Pferdehals anliegt, wird auf den Bausch angenäht.

Die neuere Form ist das Leibkisskummet. Das Leibkiss wird nicht am Bausch angenäht, sondern so maßgenau angefertigt, dass es nach Abnahme des Kummets vom Pferdehals aus dem Kummet herausgenommen und zum Trockenen vom Schweiß in die Sonne gestellt werden kann.

Über der spitzen Oberseite des Kummets wird der lederne Kummetdeckel angebunden. An der Unterseite werden die beiden Klesterhölzer mit dem eisernen Kummetschluss verbunden. In der Mitte der Klesterhölzer sind je zwei Löcher eingebohrt, wo die eisernen Kummetbretzen befestigt werden. Hier hängt auch die Brustkette, die das Pferd an der Wagenstange festhält, herab. Am oberen Drittel der Klesterhölzer sind die Zügelringe befestigt, durch welche die an der Trense befestigten Zügel zurück zum Wagen und Wagenlenker führen. An den Zügelringen werden auch die Prallriemen mit oft prachtvollem Messingschmuck und Prallriementafel, auf der der Pferdebesitzer namentlich genannt wird, angebracht.

Das Pferdekummet unterscheidet sich in erster Linie vom Ochsen-, Stier- oder Kuhkummet durch seine Form. Während das Pferdekummet oben schmal und unten breit ist, da das Pferd mit der Brust zieht, ist das Kummet für Rinder unten schmal und oben breit, da das Rind mit dem Nacken zieht. Außerdem lässt sich das Rinderkummet über einen Verschluss weit öffnen, um es über die „Hid’n“ der Rinder ziehen zu können.

Für die Kummetherstellung liegt in der Werkstätte von Martin Harpf Werkzeug bereit, das bis zu 2000 Jahre alt ist. Die hölzerne Nähkluppe verwendete Meister Harpf bei der Störarbeit. Die Kluppe steht bei der Arbeit zwischen den Beinen des Sattlers eingeklemmt auf dem Boden. Mit der Kluppe werden die zu bearbeitenden Teile eingeklemmt. Die Nähkluppe fand im 2. Weltkrieg auch bei den Soldaten im Feld Verwendung. Das Gegenstück für die Werkstattarbeit ist das Nähross. Der Kummetstock symbolisiert den Pferdehalt und der Kummetschlegel, ein schweres Schlagegerät aus Holz, wird für das Festschlagen des Bausches und des Leibkisses verwendet. Der Kummetschlegel wird wegen seiner leichten Handhabung als Schlaggerät auch als Hauswaffe, die nie außer Haus gegeben werden darf, bezeichnet. Mit dem eisernen Füllstock, der an der Vorderseite eine Einkerbung aufweist, wird Stroh in den Bausch gestopft. Mit dem hölzernen Füllstock wird das Rosshaar in den Leibkiss gestopft.

Das bei der Anfertigung des Pferdegeschirrs verwendete Leder wird Plankleder genannt. Es ist ein besonders starkes Leder, das mit Flachfäden oder Lederriemen vernäht wird. Die Flachfäden zeiht der Sattler durch Sattlerpech und dann durch Bienenwachs. Jetzt ist der Faden wasserfest. Die Lederriemen werden aus der Lederhaut herausgeschnitten. Sie werden ohne Nadel nur durch Vorstechen mit der Riemenahle zur Kettenaht – eine Ziernaht – vernäht. Das haltbarste und kostbarste Pferdegeschirr wird mit Riemen genäht. Die Näharbeit wird auf dem Sattlerross oder in der Nähkluppe durchgeführt.

Das Pferdegeschirr besteht aus dem über den Pferdekopf gezogenen Halfter, dem Kummet, den Rückschlagblättern, den Strangen, den Rückschlagriemen, dem Bauchgurt und den Zügeln. An den Kummetbretzen werden die 120 cm langen Rückschlagblätter, an deren Ende die Rückschlagmasche angebracht ist, befestigt. In die Rückschlagmasche kommen die Strangen, an deren Ende ein Eisenring befestigt ist, der beim Oatscheit des Wagens eingehakt wird.

Über den Pferdrücken wird der Rückschlagriemen und um den Pferdebauch der Bauchgurt gespannt. Geführt wird das Pferd mit den Zügeln, die an der eisernen Trense, die das Pferd im maul trägt, befestigt sind und weiter durch die Zügelringe am Kummet zurück zum Wagenlenker führen.

Von einem Wagner bekommt der Sattler ein dem Pferderücken angepasstes Holzgestell mit einer Eisenverstrebung, Bock genannt, der das Grundgerüst für einen Reitsattel ist. Dieser Bock wird mit Gurten verspannt und mit Rosshaar ausgepolstert. die Unterseite des Sattels wird mit Leinen und der Oberteil mit Leder bezogen. Dafür kann das billige „Sauleder“ oder das kostbare Rindsleder verwendet werden. An einer Sattelseite wird nun der Gurt mit drei Schnallen und auf der gegenüberliegenden Seite die Strupfe mit Schnallenlöchern befestigt. Gurt und Strupfe werden um den Bauch des Pferdes geschlungen und so der Sattel fixiert. Vereinzelt wird unter dem Schweif vom Sattel weg ein gepolsterter Schweifriemen durchgezogen, wodurch der Sattel eine zweite Fixierung erhält.

Eisen und Holz vom Bock müssen so angefertigt sein, dass der Sattel nur seitlich vom Rückgrat des Pferdes aufliegt. Ist diese Krümmung zu flach, dann drückt der Sattel und das Pferd wird am Rücken wund.

Über dem Pferdekopf kommt das Halfter (Kopfgeschirr) und an der Trense sind die kurzen Zügel befestigt.

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