“Ein Rädchen, das nicht läuft, ein Färber der nicht säuft, ein Mädchen, das nicht stille hält, gehört nicht auf diese Welt.“
Die Färber und Zeugdrucker hatten bereits im 16. Jahrhundert in Graz eine eigene Färbergasse. Im 17. Jahrhundert gab es in Graz fast nur Schwarzfärber und an der Murbrücke ein Schwarzfärberwirtshaus. Schönfärber werden erst am Ende des 17. Jahrhunderts erwähnt. Ihr wichtigstes Färbemittel Indigo wurde aus der Waidpflanze gewonnen.
1603 hatten die Schwarzfärber bereits eine Handwerksordnung und im 18. Jahrhundert vereinigten sich Schwarz- und Schönfärber. Der Zeugdruck wurde in Graz Ende des 17. Jahrhunderts als freies Gewerbe eingeführt. Das Zentrum der Kunst, Muster mit geschnitzten Modeln aufzudrucken war die Oststeiermark.
Die Blaufärberei von Stoffen mit dem Farbstoff Indigo kennt man schon seit vielen Jahrhunderten. Am Ende des 17. Jahrhunderts wurden blaue Stoffe erzeugt, die weiß-gemustert waren. Sie wurden unter der Bezeichnung Blaudrucke bekannt.
Im mittelburgenländischen Ort Steinberg ist ein Betrieb, der Blaufärberei betreibt und Blaudruck nach alten Verfahren herstellt, erhalten geblieben. Seit 1921 werden hier in mehreren, im Hofbereich verstreut liegenden, kleinen Werkstätten mit dem Farbstoff Indigo Stoffe gefärbt.

Bevor der eigentliche Färbvorgang beginnt, wird der Stoff appretiert, das heißt mit Wasser, in dem Kartoffelstärke aufgekocht wurde, gewaschen, dann getrocknet und gebügelt. Jetzt zieht der Färber den Stoff spiralförmig auf zwei Eisenreifen mit zahlreichen Haken, an die der Stoff am Rand angehakt wird, auf. Danach kann der erste Einfärbungsvorgang in der 4 Meter tiefen „Küpe“, ein brunnenähnlicher Schlacht im Werkstättenboden, der bis zum Rand mit Farbstoff gefüllt ist, beginnen. Über einen Seilzug wird der Stoff 15 Minuten lang in der Farbküpe gesenkt und danach wieder mit Hilfe eines Seilzuges für 10 Minuten herausgehoben. Nach dem ersten Färbevorgang ist nun der Stoff knallig grün. Nach dem zweiten Färbevorgang ist der hellgrün, nach dem dritten dunkelgrün und erst nach dem vierten Färbevorgang wir der Stoff dunkelblau. Insgesamt muss das Farbbad sechs- bis zehnmal mit der jeweiligen zehnminütigen Pause wiederholt werden.
Der fertig gefärbte Stoff wird dann in langen Bahnen im Hof zum Trocken aufgehängt.
Soll der Stoff bemustert sein, so wird er von dem Einfärben mit Stoffdruckmodeln oder mit Stoffdruckwalzen, die in einen farbabweisenden „Papp“ getaucht werden, bedruckt. Dieser Papp ist hellgrün und besteht aus weißem Pfeifenton, Unschlitt und Gummi arabicum. Drei bis vier Wochen muss dieser Musteraufdruck trocknen, bis die Einfärbung des Stoffes erfolgen kann.
Bei der Handdrucktechnik werden unterschiedlich große (ca. 20 x 20 cm) hölzerne Handdruckmodeln verwendet, die an der Unterseite mit Metallstiften und Metallstegen verschiedener Muster aufgenagelt haben. Der Färber liniert den Stoff mit Bleistift vor und drückt danach den Papp mit dem Model so oft als nötig auf. Diese Arbeit ist langwierig und an einem Tag sind nur wenige Meter Stoff, meist Tischtücher oder Kopftücher zu bemustern. Das älteste Handdruckmodel in der Werkstätte der Familie Koo in Steinberg ist aus dem Jahr 1819. Der größte Teil der übrigen Handmodeln stammt ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert. Somit werden hier nur Stoffmuster aufgedruckt, die bereits im 19. Jahrhundert gebräuchlich waren.
Lange Stoffbahnen werden mit einer Walzendruckmaschine, die aus dem Ende des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben ist, mit Papp bedruckt. Die Musterwalzen bestehen aus einem runden Holzstab (Walze), auf dem rundum die Muster mit Metallstiften eingeschlagen sind. Über eine Handkurbel wird der Stoff durch die pappbehafteten Walzen gepresst. Sowohl der Handdruck als auch der Walzdruck werden als Reservedruck bezeichnet.
Nach dem Einfärben des Stoffes und dessen Trocknung, wird der Papp mit heißem Wasser aus dem Stoff herausgewaschen, sodass das weiße Muster, die Naturfarbe des Stoffes, sichtbar wird. Die Farbküpe ist 4 Meter tief und im Durchmesser zirka 1 Meter. Die Küpe wird nie entleert, sondern mit Indigo immer nur nachgefüllt. Bevor Indigo nachgefüllt wird, wird der Farbstoff mit eingeloschenem Kalk und einem Eisenvitriol versetzt.
Gefärbt wird in der Werkstätte in Steinberg nur in den wärmeren Monaten, meistens von Ende Februar bis Ende Oktober.