Nur mehr äußerst selten sind Köhler, versteckt in einem Waldgraben, beim Brennen von Holzkohle anzutreffen. Es gibt zwei alte, unterschiedliche Verfahren, Holzkohle zu erzeugen. Das eine erfolgt im Kohlemeiler und das andere, seltenere im Kohlwerk, wie es Franz Grabenhofer (seit seinem Tod durch Sohn Georg) auf der Bühlhoferhöhe bei St. Jakob im Walde betrieb. Seit dem 17. Jahrhundert wird an dieser kahlgeschlagenen Waldstelle im Kohlwerk Holzkohlen gebrannt, obwohl das goldene Zeitalter der Köhler längst vorbei ist. Einst waren im Kohlwerk bis zu 60 m3 Holz aufgestapelt, heute sind es nur mehr 22 m3.

Die Holzstämme für das 15 Meter lange Kohlewerk sind 2 Meter lang. Die schwächeren Stämme liegen eng aneinandergelegt am Boden. Darüber kommen die starken Stämme und oben darauf wieder die schwachen. Alles mögliche an Holz und Ästen liegt dazwischen. Der Köhler bezeichnet das Aufschlichten des Kohlwerks als „Holz einlegen“. Das so aufgeschlichtete Kohlwerk wird rundum mit Brettern, die von stehenden Rundhölzern gehalten werden, verschlagen. Zwischen den Brettern und den liegenden Holzstämmen kommt eine 20 cm dicke Schicht Kohlenlösch, ein Gemisch aus Holzkohlenstaub und Erde. Diese Schutzschicht verhindert das Abbrennen der seitlichen Verschalung und den Zutritt von Sauerstoff zu den geschichteten Holzstämmen.
Aufgebaut wird ein Kohlwerk immer auf einer leicht abfallenden Bodenstelle. Jetzt kann das Kohlwerk an der Vorderseite, wo der Boden am tiefsten ist, angezündet werden. Hat sich genügend Glut gebildet, wird auch die Oberfläche mit Nadelbaumreisig und darüber mit Kohlenlösch luftdicht abgedeckt. Von nun an glüht es im Inneren des Kohlwerkes mit einer Temperatur von 720 Grad Celsius über 6 bis 7 Wochen.

Die Arbeit des Köhlers erfordert viel Geduld, denn das Kohlwerk muss Tag und Nacht überwacht werden. Der Köhler schläft in der Köhlerhütte und überprüft auch in der Nacht alle 1 bis 2 Stunden, dass es zu keinen Einbrüchen kommt, Sauerstoff eindringt und somit das Kohlwerk zu brennen beginnt.
Solange weiß-grauer Rauch aus dem Kohlwerk aufsteigt, ist alles in Ordnung. Steigt bläulicher Rauch auf, so heißt es eilig zu handeln um den Einbruch mit Kohlenlösch abzudecken.
Langsam glüht das Kohlwerk von vorne nach hinten. Erkennt der Köhler, dass Holz zu Holzkohle umgewandelt ist, so wird mit einem Rechen die fertige Holzkohle herausgezogen. Der Köhler nennt diese Arbeit „Stehn“. Sind Stücke darunter, die noch halb Holz und bereits halb zu Holzkohle umgewandelt sind, werden diese als „Füchse“ bezeichnet. Qualitätsvolle Kohle ist federleicht, ohne Wassergehalt und darf beim Grillen nicht rauchen.
In den Jahrzehnten um 1920 hatten die Köhler alle Hände voll zu tun, um die Nachfrage an Holzkohle abdecken zu können. Die Hauptabnehmer waren die Schmiede, und die kleinen Holzkohlenstücke wurden vor allem von den Schneidern und Hausfrauen zum Beheizen der Kohlenbügeleisen verwendet. Bei der Bügeleisenkohle handelte es sich um ein Abfallprodukt.

Anders als das Kohlwerk (Kohlenwerk) wird der Kohlenmeiler aufgebaut. Das dazu verwendete Holz ist rund 1 Meter lang und gespalten. Es wird stehend zu einer Pyramide geschichtet, wobei in der Mitte ein Schacht zum Anfeuern frei bleibt. Auch der Kohlenmeiler muss laufdicht abgedeckt werden. Auch in der Volksmedizin spielte Holzkohle einst eine wichtige Rolle. Bei Durchfall wurden kleine Kohlestücke zu Staub zerrieben und löffelweise eingenommen, genauso wie man heute Kohletabletten zu kaufen bekommt. Schwieriger zu gewinnen ist das fast in Vergessenheit geratene Kohlöl. In das Kohlwerk wird seitlich ein Rohr eingesteckt, aus dem Rauch (Abgas) ausdringen und das Kohlöl destillieren kann. In 24 Stunden wird somit ein Viertelliter Kohlöl gewonnen, das einst als wahres Wundermittel galt und bei Halsweh löffelweise getrunken wurde.
Besonders wirkungsvoll soll dieses Öl bei Gicht als Einreibeöl sein. Aber auch bei Gelenkschmerzen, Überstauchungen und in der Lungenheiltherapie wurde es eingesetzt.