In der Steiermark wird 1407 ein Seiler in Leoben, 1521 eine Seilerin „im Purbach“ bei Judenburg und 1536 der Wolfgang Sailer an der Murbrücke in Judenburg genannt. Zunftakten mit der Seilerordnung blieben aus dem Jahr 1603 erhalten. Maria Theresia erließ 1755 eine Ordnung des Seilerhandwerks. 1949 bestanden in der Steiermark 39 Seilereien und 1970 nur mehr 15.
Schutzpatrone der Seiler: Georg, Thomas. Der Feldbacher Seilermeister Kettele nannte den Heiligen Posthumus.
Neben den gewerbsmäßigen Seilerbetrieben wurden Schnüre, Seile und Stricke auch in bäuerlichen Hauswerkstätten hergestellt. Als Rohmaterial dienten den Bauern ehemals Hanf- oder Flachsfasern, die heute nur mehr schwer zu erhalten sind.
Zur Herstellung von Hanf- oder Flachsschnüren wird das so genannte „Spinnrad“ (Seilerrad) verwendet, das mit dem Spinnrad für die Fadenspinnung nichts gemeinsam hat. Dabei handelt es sich um eine Drehvorrichtung, mit der über eine Handkurbel über hölzerne Zahnräder ein an der Vorderseite angebrachter Rundhaken angedreht wird. Die Drehvorrichtung ist auf einer Bank, auf der auch der Betreiber sitzt, befestigt.
Für das Schnurmachen sind zwei Personen notwendig. Während eine Person an der Kurbel dreht und somit über einen Keilriemen den Haken, an dem das Faserbündel befestigt ist, in eine schnell kreisende Bewegung versetzt, geht der Strickmacher mit dem Faserbündel unter dem Arm langsam nach rückwärts. Die einzelnen Hanf- oder Flachsfasern werden somit fest ineinander verdreht, wodurch eine kräftige Schnur entsteht. Der Strickmacher muss dabei viel Geschick zeigen, um eine gleichmäßig starke Schnur drehen zu können.
Komplizierter ist die Strickerzeugung, für die zwei oder vier Schnüre zu einem Strick zusammengedreht werden.
Für diese Arbeit sind drei Personen notwendig. Zwei Getriebe (Säulen) werden im Abstand des zu drehenden Strickes gegenübergestellt. In die vier Haken, die an jedem Getriebe angebracht sind, wird jeweils eine Schnur angebunden, sodass vier Schnurleitungen von einem Getriebe zum anderen entstehen. Zwischen den 4 Schnüren wird die Nuss, ein speziell eingekerbtes Holz, gehalten. Das Dazwischenhalten der Nuss ist notwendig, das sich die Schnüre sonst nicht fest zusammendrehen, sondern nur locker zusammenlaufen. Dann werden von zwei Helfern die beiden Getriebe angetrieben, sodass sich die vier Schnüre schneckenartig ineinander verbinden und den festen Strick ergeben. Die Nuss läuft dabei zwischen den vier Schnüren. Bis zu 30 Meter lange Stricke können so auf der Seilerbahn hergestellt werden.
Wird ein starkes Seil benötigt, so können vier Stricke, von denen jeder aus vier Schnüren besteht, genauso wie im voran beschriebenen Arbeitsvorgang zusammengedreht werden. Für diese schweren Seile wird ein großes Getriebe verwendet. Der Strickmacher fertigte Schnüre, Streubogenschnüre (= Bogenschnur), diverse Stricke, Zuhänge-, Halter- und Leitstricke, Bindeseile für das Einführen von Heu, Brunnenseile und Glockenstricke an. Die Hanffaser wurde, wegen der größeren Stärke, der Flachsfaser als Ausgangsmaterial vorgezogen. Vor allem fertigte man Brunnenseile und Aufzugsseile ausschließlich aus Hanf an.
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