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Strohdachdecken
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Ein einst weit verbreitetes Vorurteil besagte, dass nur der arme Bauer ein Strohdach hat, also sein Haus mit Stroh eingedeckt ist. Nur Roggenstroh (=Kornstroh, Troadstroh), das mit der „Troadsens“ oder Sichel geernete wurde, eignet sich für das Strohdachdecken. Maschinell abgeerntetes Troad ist als Dachstroh nicht geeignet, da es von der Erntemaschine zerkleinert wird. Das Troad wird auf dem Feld in Garben gebündelt und zu Böckeln, das sind 10 Garben, aufgestellt. Sechs Böckel zusammengehäuft ergeben einen Schober. Nachdem das Getreide getrocknet ist, wird es in die Scheune geführt. Bevor nun das Troad deckfertig ist, muss es über einem Fass ausgeschlagen, dann über dem hölzernen Schabrechen ausgezogen (geputzt) und im Strohstock gleichgeschnitten werden. Für eine längere Lagerung werden drei Garben zu einem Schab mit zwei speziellen Strohbändern zusammengebunden. Diese Strohbänder werden fingerdick zusammengedreht und beim Binden ineinander gesteckt.

Roggenstroh wird ausgeschlagenGedroschen darf das Stroh nicht werden, da es dabei beschädigt wird. Beim Ausschlagen werden die Getreidekörner aus den Ähren geschlagen.  Der Strohdachdecker beginnt die Deckarbeit immer von unten von der Dachtraufe her in Richtung First. Die Deckschab werden mit den Ähren nach oben auf die Dachlatten, die in Abständen von 22 bis 26 cm angebracht sind, aufgelegt und die Strohbänder aufgeschnitten, sodass das Deckstroh dicht ausgebreitet zu liegen kommt. Die Ähren kommen bei dieser Deckarbeit immer unter der nächsten Scharb zu liegen.

Mit dem Deckbrett wird die aufgelegte Strohschab am unteren Ende gleichmäßig zurechtgeklopft. Das Stroh wird mit mehrere Meter langen, entrindeten (geschälten) Haselstangen (Deckruten), vereinzelt werden auch Eichen- oder Birkenstangen verwendet, niedergespannt.

Kellerstöckl wird mit Stroh eingedeckt

Die Entrindung der Stangen ist unbedingt erforderlich, da es sonst zu Wurmbefall kommt. An den Dachlatten werden die Deckruten mit dünnen Deckwiedn (Weidenruten) festgebunden, sodass das Stroh fest an den Dachlatten zu liegen kommt.
Wesentlich ist bei all diesen Arbeitsvorgängen, dass die Strohhalme nicht gequetscht oder gebrochen werden.
Bei der Abdichtung des Dachfirstes wird die Strohschab über den Firstkamm gelegt und mit Firstruten (Haselruten) festgeklemmt. Hier bleiben die Firstruten teilweise sichtbar. Die Strohdachdecker Alfred und Franz Schwarzl aus Raning bei Gnas fertigen den „steirischen First“ an. Dabei wird Stroh, einem Kamm ähnlich, aneinandergereiht in der Firstrute befestigt.

Die am Dach aufstehenden Strohteile werden als „Windschab“ und die flach am Dach liegenden als „Kamm“ bezeichnet. Ein Dach kann auch an den Dachenden, an der Giebelseite, einem „Halbschopf“ aus Stroh vorgesetzt bekommen.

In der Steiermark wird das Strohscharendach gedeckt während man im benachbarten Burgenland das Kittelschabdach pflegt. Der Name Kittelschab wird von der Ähnlichkeit der Deckschauben mit einem Frauenrock, einen „Kittel“, abgeleitet.

Dabei werden ganze Deckschauben auf die Dachstangen aufgebunden. Beim Kittelschabdach sieht man auf der Dachfläche die nach außen unten gerichteten Ähren.

Zur Abdichtung des Firstes wird Lehm verwendet. Der Lehm wird dafür mit Wasser zu einem dicken Brei verrührt und Häcksel (gehacktes Stroh oder Getreideähren) beigemengt. Darin werden Deckschauben eingelegt und mit Lehm vermischt.

Diese lehmigen Schauben werden quer über den First gelegt und mit Brettern am Dach festgeschlagen. Zum Handwerkszeug des Strohdachdeckers gehören das Deckbrett und die Deckleiter (Deckknecht).

 

Knaushof in Fehring

 

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