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Ziegel(hauen)schlagen
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Für den Bau eines Hauses mit gebrannten oder ungebrannten Ziegeln wurden sowohl Mauer- als auch Dachziegel im Handschlagverfahren geschlagen "erzeugt". Oft erfolgte dies von professionellen Ziegelschlagern, wie dies Karl Niederl (geb. 1912) und sein Bruder Heinricht Niederl (geb. 1919) in Unterauersbach (Bez. Feldbach) waren. Besonders tüchtige Ziegelschlager waren Italiener, die als Welche bezeichnet wurden.

Der für die Herstellung von Ziegeln notwendige Lehm wurde im Herbst oder im Winter, solange es die Witterung zuließ, meist aus einer Tiefe von bis zu drei Metern "aufgegraben" und an einem geeigneten Ort aufgeschüttet. Hier blieb der Lehm über den Winter zum "Ausfrieren", wodurch er feinkrümelig wurde, liegen. Frost und Wasser sorgten über die Wintermonate dafür, dass der Lehm für das Schlagen der Ziegel geeignet wurde.

Ziegelschlagen in Oberweißenbach

 Im Mai war dann die Zeit gekommen, dass mit dem Ziegelschlagen begonnen werden konnte. An einer geeigneten Grundfläche wurde der Boden eben gemacht, meist Gras und Humus abgetragen und das Terrain auf dem die Ziegel abgelegt wurden, mit Sand überschüttet. Dieses Sandbett musste mit einer Holzkrucke "brettleben" gleichgezogen werden.

Um mit dem Ziegelschlagen beginnen zu können, waren einige Gerätschaften notwendig. Dazu gehörten eine hölzerne Scheibtruhn (Schiebetruhe), die Holzkruckn (ein Holzkasten für Sand), der Schlagtisch (Ziegeltisch) mit massiver Platte, das Ziegelmode, das Ziegel- oder Bogenmesser, auch Ziegelbogen genannt, Krampfen, Hauen, Schaufeln und Geißkanne. Karl Niederl war der Ziegelschlager, ein Mann der Lehmmacher oder Lehmtreter, ein Mann der Lehmanführer oder Aufschieber und zwei Kinder die Ziegelwegtrager, die "Ziegelwegsetzter". Heinrich Niederl arbeitete bereits als Kind als Ziegelwegsetzter.

War alles vorbereitet, konnte mit dem Ziegelschlagen begonnen werden. Karl Niederl verwendete vorwiegend "blauen Loam" (Lehm), da dieser über den Winter fein "budlig" wurde und Wasser gut annahm. Der Lehmmacher fasste den Lehm mit der Ziegelhause in die Radltruhe (Schiebetruhe) und der Lehmanführer fuhr damit über einen Holzpfosten auf den Ziegeltisch, wo er den Lehm entleerte. Schnell wurde der Lehmkogel mit der Geißkanne ein wenig mit Wasser übergossen und mit einem speziellen zweigriffigen, gebogenen Messer ein Lehmpatzen abgeschnitten und in das gesandelte Model geworfen.

Der Ziegelschlager drückte mit der Hand auf den Lehm und schlug dann den Model kräftig mit dem Modelunterteil, dort wo zwei erhöhte Fußleisten angebracht waren, auf den Ziegeltisch nieder, so dass sich der Lehm auch in alle vier Modelecken ausbreitete. Von diesem Niederschlagen leitet sich auch die Bezeichnung Ziegelschlagen ab. Mit dem Ziegelbogen (Bogenmesser, Ziegelmesser), einem U-förmig gebogenen, fingerdicken Haselnussast, der wenige Zentimeter hinter den beiden Astenden mit einem Draht bespannt war, wurde am oberen Modelrand "übergeschnitten" so dass eine glatte Ziegeloberfläche entstand. Der abfallende Lehmrest wurde auf den neben liegenden Lehmkogel (Haufen) zurückgeworfen.

Ziegelschlagen in Waldsberg

 Einer der Wegtrager ("Ziegelwegsetzter") ergriff nun den gefüllten Model und trug ihn, meist laufend, zur ebenen, gesandeten Bodenfläche, wo er den Model "übergekippt" und die "grünen" (= nassen) Ziegel in Reihe und Glied ablegte. Bevor der Model wieder mit Lehm gefüllt wurde, streute der Ziegelwegsetzer ein wenig Sand, der in eine Sandkiste neben dem Ziegeltisch stand, in den Model, dass der Lehm am Holzmodel nicht anklebte. Diesen Vorgang nannte man "sandeln". Am Boden des hölzernen Ziegelmodels waren die Initialen des Ziegelschlagers spiegelverkehrt eingeschnitzt. Im Falle von Karl Niederl waren die Buchstaben KN.

Der Model selbst war an den Ober- und Unterkanten mit Blechblättern verstärkt. Ein Model hatte die Ausmaße von 32 x 16 Zentimetern. Die Niederl-Brüder schafften es mit ihren Helfern, täglich bis zu 5000 Mauerzeigel zu schlagen und wegzusetzten. Ein Ziegelschlag begann um halb 3 Uhr früh und endete bei Eintritt der Dunkelheit. War das Wetter schön, so konnten die in der Früh geschlagenen Ziegel bereits am Nachmittag auf die seitliche Ziegelschmalstelle zum weiteren Trocknen aufgestellt werden und bereits am Abend wurden diese Ziegel in Reihen verkreuzt auf Latten aufgetürmt und mit einem beweglichen Holzschindeldach zugedeckt. Zum Ziegelbrennen kam es meist im Herbst. Vorerst wurde in der Erde ein 2 Meter tiefer Raum, der Größe der Anzahl der zu brennenden Ziegel entsprechend, ausgehoben. In diesem Aushub wurden nun die getrockneten Ziegel in so genannten nebeneinander liegenden "Rohren" zum "Ziegelofen" zusammengesetzt. Von der Trockenhütten zum Ziegelofen wurden die Ziegel mit einem speziellen Schubkarren den Ziegekarren geführt. Ein Rohr setzten die Niederl-Brüder aus zirka 20000 Ziegel zusammen. Bei der Auftürmung eines Rohres wurden die Ziegel bis zu 15 Schichten so übereinander getürmt, dass alle Ziegel seitlich und über einem rohrähnlichen Gewölbe mit Zwischenräumen zu liegen kamen, durch die Feuer und Hitze zu jedem Ziegel vordringen konnte. An der Außenseite wurden Ziegel zur Abdichtung aller Öffnungen schräg angelegt, so dass nur die Rohrvorderseite an der "Brustwand" zum Beheizen offen blieb. Während der Ziegelofen aufgebaut wurde, war dieser von einem Holzgerüst mit Dach überdeckt. Bevor mit dem Brennen begonnen wurde, musste man diesen Wetterschutz wieder abtragen. Dann begann man alle Rohre mit Holz zu beheizen. Tag und Nacht brannte der Ziegelofen zwischen vier und sieben Tage lang. An den ersten drei Tagen erfolgte das Dampfheizen, bei dem der ganze Ziegelofen wegen des Feuchtigkeitsgehaltes dampfte. An den nächsten Tagen erfolgte das Fertigbrennen.

Ziegelbrennen“ /> <p /></span></p><p>Im Rohr begannen die Ziegel weiß zu glühen, wurden sie schwarz rußig, war der Brand misslungen. Während des Brandes wurde der Ziegelofen außen herum mit Erde, die von einer Bretterwand gehalten wurde, überdeckt. Am Ende des Brandes war der gesamte Ziegelofen von einer 20 Zentimeter dicken Erdschichte überdeckt. Abschließend mauerte man auch das Heizloch mit grünen Ziegeln zu. Rund drei Wochen ruhte nun die heiße Ware unter der Erdschicht, die sich aufgrund der starken Hitzeentwicklung rot verfärbte. <br /><br />Beim Einsetzten der rohen Ziegel in den Ziegelofen waren bis zu 30 Personen tätig. So mancher Mann verfügte über die Kraft, 16 Ziegel von der Trockenhütte zum Ziegelofen auf einmal tragen zu können und dies mit großen Tempo oft mehrere Tage lang. Dachziegel wurden zu den einzelnen Rohren nur stehend aufgebaut. Karl Niederl schlug nur den Biberschwanzdachziegel. War das Ziegelbrennen erfolgreich, sagte man, dass der Brand „goldwert“ sei. Gehörte der gebrannte Ziegelhaufen den Niederl-Brüdern so wurden die Ziegel, nachdem die äußere Erdschichte entfernt worden war, direkt zum Ziegelofen weg verkauft. In den Jahren nach 1930 kostete ein Mauerziegel 6 Groschen und zugestellt 6 ein Viertel Groschen. </p><p><br /><span lang=

Im Rohr begannen die Ziegel weiß zu glühen, wurden sie schwarz rußig, war der Brand misslungen. War das Ziegelbrennen erfolgreich, sagte man, dass der Brand „goldwert“ sei. Beim Einsetzten der rohen Ziegel in den Ziegelofen waren bis zu 30 Personen tätig. In den Jahren nach 1930 kostete ein Mauerziegel 6 Groschen und zugestellt 6 ein Viertel Groschen.

Mit den gebrannten Ziegeln wurden vorerst Teile der alten Häuser erneuert oder neue Häuser aufgebaut. Im Laufe der Zeit verdrängte der Ziegel die alten Baumaterialien wie Holz, Lehm und Stein. Der Dachziegel trat an die Stelle von Stroh und Holzschindeln. 

 

Ziegelbrennen bei Anton Berghold

 

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