Die
Angst vor den dunklen Mächten und der Glaube an Hexerei und Zauberkunst
ist uralt. Auf den Gesetzestafeln des babylonischen "Codex Hammurabi"
wird schadensbringende Hexerei erwähnt und in der Bibel ist zu lesen,
dass man eine Hexe nicht am Leben lassen soll.
Im 12. Jh. wurde Häresie als schweres Vergehen gegen die Kirche mittels
Inquisition verfolgt. Der Höhepunkt an Frauenfeindlichkeit fand im
sogenannten "Hexenhammer", der von den beiden Inquisitoren Heinrich
Institoris und Jakob Sprenger verfasst wurde, seinen Niederschlag. Als
Rechtfertigung dienten die beiden Bibelstellen "Das Weib ist bitterer
als der Tod" und "Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen" aus
dem zweiten Buch Moses.
Die weltlichen Gerichte übernahmen bei
Zaubereiprozessen
das Inquisitionsverfahren mit der Gerichtsordnung Kaiser Karls V. In
der Steiermark waren für die Durchführung der Hexenprozesse die
steirischen Landgerichte zuständig. Die Gerichtsbarkeit bei den
Hexenprozessen lag, wie schon erwähnt, bei den weltlichen Gerichten.
Eine Ausnahme stellt allerdings der Feldbacher Hexenprozess dar, wo die
Kirche vom "privilegium fori" Gebrauch machte. Die Untersuchungshaft
bei Hexenprozessen war ohne Ausnahme vorgeschrieben, die Zustände in
den Gefängnissen waren aber katastrophal. Für die Feststellung der
Schuld musste ein stichhaltiger Beweis erbracht werden. Dazu wurden
zwei bis drei Zeugen befragt, die ihre Aussage jedoch nach eigenem
Wissen und Dafürhalten vorbrachten. Von den Angeklagten selbst wurden
oft unter grausamster Folter Geständnisse abverlangt, denn leugnete der
Angeklagte die ihm zur Last gelegten Vergehen, drohte man ihm mit der
Folter.
Das gebräuchlichste Foltergerät war der "Daumstock" (Daumenschrauben), der aus zwei gerillten Eisenplatten
bestand,
die durch Schrauben zusammengeschraubt werden konnten. Zwischen diese
Platten wurden die Endglieder der beiden Daumen gelegt und gequetscht.
Meist lösten sich die Fingernägel oder es kam zur Lähmung der Daumen.
Der Hexen- oder Marterstuhl, auch die "Pankh" oder "ordinary
Hexenstuhl" genannt, ist sicherlich das grausamste Folterinstrument,
und die Tortur auf dem "bancum" der "Scamnun" stellt den dritten Grad
der Folter dar. Nicht jede Hinrichtungsart galt als gleich schrecklich
bzw. entehrend. So war der Tod durch das Schwert ehrenvoller als der
Tod durch den Strang, der als äußerst unehrenhaft galt. Beim Verbrennen
gab es prinzipiell drei verschiedene Tötungsarten: entweder wurden die
Delinquenten zuerst geköpft und dann verbrannt oder zuerst erdrosselt
und dann verbrannt oder bei lebendigem Leibe verbrannt. Die Asche des
Bedauernswerten wurde dann in alle vier Winde ver- oder in fließendes
Wasser gestreut.
Eine
besonders grausame Hinrichtungsart war jene mit dem Richtrad. Dabei
wurde der Delinquent auf scharfkantige Klötze gebunden und mit einem
Rad, auf dem eine eiserne Schneide angebracht war, brach man ihm die
Knochen.
Groß war die Angst vor den bösen Mächten und ihren Übergriffen auf den
Menschen. Gefahr lauerte überall. Daher versuchte man sich nach
Möglichkeit zu schützen, notfalls mit einem Gegenzauber. Hexen wurden
oft auch als "Unholde" oder "Drude" bezeichnet, was soviel wie
"Urheberin von Alpträumen" heißt.
Neben den Unwettern bedrohte auch Ungeziefer
die
Ernte, und es war ein logischer Gedanke, auch das oft epidemieartige
Auftreten von Ackerschädlingen als Hexenwerk anzusehen. Die Ursache
vieler Krankheiten waren nach landläufiger Meinung Dämonen, die von
einem Körper Besitz ergriffen oder in ihn einfuhren (die Bezeichnung
"Hexenschuss" für einen plötzlich eintretenden Schmerz im Nackenbereich
ist ein sprachliches Relikt aus jener Zeit). Wurde nun eine Krankheit
durch eine Hexe oder einen Dämonen verursacht, so musste man ein
entsprechendes Gegenmittel anwenden. Oft versuchte man, diese
Krankheiten auf Bäume zu übertragen, zu vergraben, wegzuschwemmen,
wegzuwerfen, abzustreifen oder an das Vieh zu verfüttern. Im
Steirischen Vulkanland wird im Jahr 1631-1632 erstmals von Hexerei
berichtet.
Der Prozess gegen die Benigna Khevenhüller,
geborene von Herbersdorf, fand in Radkersburg und Graz statt. Ihr wurde
vorgeworfen, sie sei eine Kinderfresserin und betreibe Liebeszauber.
Die Angst vor der Macht und dem Schaden, den Wettermacher anrichten
konnten, führte mitunter dazu, dass die Bauern versuchten, sich mit
diesen Zauberkundigen gut zustellen und ihnen sogar Weizen, Most oder
Geld zukommen ließen.
Im Juni 1672 waren 40 Angeklagte auf engstem
Raum
im Gefängnis in Haft, wo sie "des üblen Geschmacks habler fast crepiren
müssen". Am 25. Juni 1672 ließ Wendtseisen sechs Frauen erdrosseln und
verbrennen, während im Kerker von Luttenberg noch 38 Angeklagte unter
unmenschlichen Bedingungen lagen und auf ihr Urteil warteten.
Wendtseisen verfiel in einen wahren Verfolgungswahn, der sich immer
weiter auszubreiten begann. Der Prozess weitete sich auf Fridau,
Ankenstein, Sauritsch, Pettau, Gutenhag, Radkersburg, Gleichenberg und
bis nach Kroatien aus. Die Vorgangsweise von Wendtseisen war dermaßen
brutal, dass Zweifel an seiner Prozessführung laut wurden. Später wurde
Wendtseisen durch den Bannrichter Paul Schatz abgelöst. Doch damit war
dem Wirken Wendtseisens und seinem mörderischen Werk noch kein Riegel
vorgeschoben.
Am 1. August 1673 wurden weitere sechs Frauen erdrosselt und verbrannt,
noch immer lagen viele in den Kerkern, einige wurden gegen eine
Gestellungsbürgschaft (Kaution) entlassen. Der Luttenberger Prozess
dauerte bis 1675 und hatte insgesamt 36 Todesopfer gefordert. Wer genau
Johannes Wendtseisen war, ist nicht eindeutig geklärt. Vermutlich
stammte er aus einer Radkersburger Ratsbürgerfamilie. Jedenfalls wurde
er 1673 Stadtrichter von Radkersburg und eine Aufzeichnung aus 1679
bezeichnet ihn als Stadtschreiber. Im selben Jahr wurde er allerdings
wegen Profitgier und Bestechlichkeit vom Stadtrat entlassen. Er pflegte
gute Kontakte zur innerösterreichischen Regierung, die ihn wieder als
Stadtschreiber einsetzte. Bald danach wurde er Landgerichtsverwalter in
Oberradkersburg.
Als Hexenrichter hatte er quasi eine Monopolstellung, denn Kaiser
Leopold beauftragte ihn am 24. Mai 1684, alle zauberischen Personen in
den Bezirken Radkersburg, Luttenberg und den umliegenden Landgerichten
einzuziehen, zu konfrontieren und zu prozessieren. Alle Landgerichte
und Burgfriedsobrigkeiten wurden angewiesen, ihn dabei zu unterstützen.
Bei den Prozessen, die Wendtseisen geführt hatte, wurden über 50 Frauen
zum Tod verurteilt. Als er 1689 starb, wurde er in Radkersburg
begraben. Sein Grabstein ist an der Außenmauer der Kirche zu sehen. Er
hinterließ den "Tractatus iudicarius", ein theoretisches Werk über
Hexenprozesse, das deutlich von seinem Frauenhass geprägt wurde.
Am 13. Juni 1673 zerstörte ein schweres Hagelunwetter
die Obst- und Weingärten und die Felder um Gleichenberg und den
umliegenden Pfarren. Schnell wurde eine Schuldige für diesen
Schadenszauber gefunden. Veronika Kheberlin,
die "Dorfhexe" von Dobrutten (das heutige Frutten) wurde verhaftet. Sie
wurde von ihren eigenen Geschwistern schwer belastet, die aussagten,
dass sie mit dem Teufel im Bunde stehe und in Hexenadjustierung, also
nur mit einem Hemd bekleidet, Luftfahrten unternähme. Sie sei aus den
Wolken heraus in den Wald geflogen. Ihr Bruder behauptete, dass sie
seine Kühe verzaubert habe. Veronika Kheberlin wurde am 18. Oktober 1673 hingerichtet.
Das Jahr 1673
war
ein Jahr voller Unwetter. Weingärten und Felder wurden zerstört, und
heftige Wirbelstürme, fegten über das Land. Dies alles spielte mit eine
Rolle, dass in der Folge die Schuldigen für diese Umweltkatastrophen in
"Hexenzirkeln" gesucht wurden. Der Huberhof zum Beispiel war Treffpunkt
einer besonderen Gesellschaft, zu der neben dem Besitzer des Hauses - Dr. Michael Zirkelius, der Hauptpfarrer von Riegersburg - auch die Frau des Burgpflegers - Katharina Paldauf - und die Vikare von Hartmannsdorf, Hatzendorf und Paldau gehört haben. Auch der ehemalige Pfarrer von Paldau, Lorenz Plamauer, und der Pfarrer von Fehring, J. Georg Paar, sind zu diesen Treffen gekommen, wo über Zauberei diskutiert wurde und man sich in allerlei Zaubereien versuchte.
Beim Kreuz oberhalb von Hatzendorf hatte der Hatzendorfer Pfarrer Georg Agricola eine Gesellschaft um sich versammelt. Zu dieser Gesellschaft sei durch Zufall die Katharina Lorenzerin,
allgemein Schleglin genannt, gestossen, der man vom trüben Wein zu
trinken angeboten habe. Diese jedoch habe sich geweigert, wonach man
sie mit Schlägen "tractirt", die Nase "gekhrumpet" und im Gesicht
gekratzt habe. Weiters wusste die Lorenzerin zu berichten, dass
plötzlich in Gestalt einer "anreiter" ein Wölkerl ("wülckhl khomben")
gekommen und die ganze Gesellschaft in die Luft verschwunden sei. Dies
sei unter einem Geschrei wie von Habicht und Krähen geschehen. Die
Lorenzerin erstattete am 28. September 1673 Anzeige, was den Auftakt
zum großen Feldbacher Hexenprozess setzte. Dieser Prozess muss in zwei
Gruppen unterteilt werden, und zwar in die Gruppe von
Hatzendorf-Stang-Lembach und in die Riegersburger Gruppe. Bei den
ersten Verhören, die auf der Riegersburg stattfanden, wurde ausgesagt,
dass von der Hexengesellschaft "Schauer" (Hagel) gemacht worden sei.
Die weiteren Verhöre, unter Anwendung der Folter, der "Tortur auf dem
Stuhle", erfolgten beim Landgericht Feldbach.
Bereits bei den ersten Verhören nannte die einvernommene Martha Peurin, genannt die alte Valtlin, dem Markt- und Landrichter die Namen von 25 weiteren Verdächtigen.
Der
ursprünglich kleine Hexenprozess begann, sich ziemlich rasch
auszuweiten. Die alte Valtlin war von ihrem eigenen Sohn als Hexe
bezeichnet worden, weil sie die Wirtschaft noch nicht übergeben hatte.
Beim peinlichen Verhör am 7. November 1673 erzählte die 72jährige Frau,
die an Epilepsie litt, die Genannten wären an mehreren Tagen
zusammengetroffen, hätten gemeinsam gegessen und Wein aus der Eiche
getrunken, wären auf mit Hagel gefüllten Säcken geflogen und hätten es
dabei auf Felder und Weingärten hageln und die Ernte zerstören lassen.
Weiters sagte sie, dass der böse Geist in Gestalt eines schwarzen
Mannes bei der Gesellschaft gewesen sei und ihr stark auf das Herz
gedrückt habe. Der böse Geist soll Riepl geheißen und die Seelen
begehrt haben. Als Teilnehmer an dieser Hexengesellschaft nannte sie
auch Jakob Kropf, den Richter von Stang,
eine Person höheren Rangs. Bei der Gegenüberstellung aber begann sie zu
zweifeln, wodurch sie zur Folter des dritten Grades auf den Hexenstuhl
gebracht wurde. Auf dem Stuhl gab sie an, dass der böse Geist namens
Riepl ihr Zeichen mache. Sie bekräftigte nochmals ihre Aussage, dass Jakob Kropf und auch der Pfarrer von Hatzendorf, Georg Agricola, an der Hexengesellschaft teilgenommen hätten. Sie starb an den Folgen der Folter.
Pfarrer Agricola
soll Hostien ausgeteilt haben, während die Teilnehmer der
Hexengesellschaft auch Hostien aus anderen Kirchen mitgebracht und
diese zwischen den Schauersteinen und unter das Getreide gelegt haben
sollen, um größtmöglichen Schaden anzurichten. Denn wollte man, dass es
zu einer großen Kälte oder zu Reif komme und die Weingärten zerstört
werden, so musste die Hostie beim Hatzendorfer Kreuz vergraben werden.
Die Gesellschaft habe sich auch auf den Schießlberg begeben, wo wieder
Brot und weißes Fleisch gegessen und Wein "auß der Aichen" getrunken
worden sei. Dabei habe man getanzt und für Tumult gesorgt.
Vom "fleischlichen Verkehr" mit dem Teufel war in den ganzen
Hexenprozessen nur dreimal die Rede. Von dieser Gesellschaft wurden
neun Angeklagte in Feldbach hingerichtet. Das Urteil gegen Hans Kropf
vom 23. Februar 1674 zum Beispiel lautete, dass er "...mit dem schwerth
von Leben Zum Todt verurtheilt, und sodann der Körper auf dem
scheiderhaufen zu staub und asche verprenth" werde. Eine weitere
Angeklagte, Katharina Kropf, saß im
Feldbacher Tabor in Haft. Ihr gelang die Flucht zu ihrer Schwester nach
Bergl, weil "sye wehre beim Richter gewösen, unn in der Nacht bey einem
khlainen Fensterl Ganz Nackhendt unnd bloß hinauß geschloffen." Sie
wurde allerdings wieder aufgegriffen und am 23. September 1675
hingerichtet.
Gregor Hollerspacher aus Hartmannsdorf
behauptete bei seiner Einvernahme, dass er seine Seele dem Teufel
gegeben und die heilige Dreifaltigkeit verleugnet habe. Er erzählt auch
von einer anderen 20 Köpfe zählenden "Compagnie" (Gruppe), die
ebenfalls eine Hexengesellschaft zu sein schien.
Der Hauptbeschuldigte, Pfarrer Georg Agricola,
wurde im März 1674 verhaftet und in Feldbach einvernommen. Agricola
wies alle Anschuldigungen zurück, da sie nur unter Androhung der
glühenden Zange und der Streckung ausgesprochen worden seien. Jakob Pugl sagte am 17. März 1674 aus, dass ihm Jakob Kropf bei einer
Zusammenkunft
der Hexengesellschaft gedroht habe: "...wann Er nicht wolt mithalten,
wollten sye ihm zerraisßen." Weiters sagte Pugl über Agricola, dass
dieser ihm ein Brösel von einer Hostie gegeben und gemeint habe, er
solle nur dem bösen Geist dienen, dass das Beten nichts helfe und die
Zauberei viel lustiger sei. Agricola wurde auch zur Last gelegt, dass
er Kinder im Teufelsnamen getauft habe, darum wurden am 4. und 5. Mai
1675, also kurz vor dem Tod Agricolas, von Agricola getaufte Kinder
noch einmal getauft. Diese Nachtaufe durch den Hauptpfarrer von Riegersburg und den Pfarrer von Hatzendorf sollte die Kinder schützen. Auch die 70jährige Magdalena Steßlin
belastete Agricola schwer. Der Pfarrer habe der Gesellschaft, Hostien
gegeben, womit sie Hagel gemacht haben. Der böse Geist sei dabei
umhergesprungen. Danach sei die ganze Gesellschaft durch die Luft
geflogen.
Pfarrer Agricola wurde am 19. Februar 1674 auf Anordnung des Seckauer Bischofs vom Riegersburger Hauptpfarrer Zirkelius
in geistlichen Gewahrsam genommen und unter die Aufsicht des Feldbacher
Pfarrers Koller gestellt. Daraufhin begann ein Ringen zwischen der
geistlichen und weltlichen Instanz um die Zuständigkeit beim
bevorstehenden Prozess. Der Bischof wollte den Fall nicht freigeben,
doch die innerösterreichische Regierung förderte die Auslieferung
Agricolas. Der Bischof erteilte schließlich an Pfarrer Koller die
Weisung, im Falle einer Examinierung Agricolas schärfsten Protest
einzulegen.
Inzwischen
wurden die Belastungszeugen von einer geistlichen Kommission noch
einmal hochnotpeinlich befragt. Unter der Folter nahmen alle ihre
Anschuldigungen wieder zurück. Damit sie bei dieser Aussage blieben,
wurde den Zeugen nochmals strengste Folter angedroht, denn jeder der
nicht bei der Rücknahme der Anschuldigungen bliebe, würde so lange
gereckt, bis die Sonne durch ihn durchscheinen könne. Der angelaufene
Prozess kam nun teilweise ins Stocken und der Regierungskommissar Graf
von Purgstall machte dafür einzig und allein die Geistlichkeit
verantwortlich, dass die Vernehmung Geistlicher nur in Anwesenheit
eines kirchlich Bevollmächtigten erfolgen dürfte. Am 10. April 1675
erhielt Graf von Purgstall den kaiserlichen Befehl, dass die
Gegenüberstellung der verhafteten Personen mit Pfarrer Agricola nicht
mehr notwendig sei.
Am 18. April schließlich kam das Aviso, dass die peinliche Befragung
Agricolas durch ein geistliches Gericht erfolgen könne. Dieses Gericht
setzte sich aus dem Riegersburger Hauptpfarrer Gabrielis, dem
Feldbacher Dechant Dobler und drei weiteren Geistlichen zusammen. Als
man Agricola die Foltergeräte vorführte, bekannte er sich in allen
Anklagepunkten schuldig. Agricola wurde 1616 in Fehring geboren. Seine
Mutter war die ledige Agnes Weittingerin, sein Vater der Fehringer
Pfarrer Urban. Agricola studierte in Graz Philosophie und Theologie und
wurde 1638 zum Priester geweiht. Er wirkte erst als Kaplan in St.
Lorenzen zu Hengsberg, danach als Vikar Stellvertreter im weltlichen
oder kirchlichen Amt, bes. junger Geistlicher als Gehilfe des Pfarrers
in Hartmannsdorf und anschließend als Pfarrer in Hatzendorf. In
Hartmannsdorf soll er einen recht liederlichen Lebenswandel geführt
haben, denn er habe viele "Mägde" gehabt, mit denen er in
"fleischlicher Wollust" gelebt habe. Dies war auch der Anlass dafür,
dass er die Pfarre verlassen musste. Im Oedgraben besaß er ein
Grundstück mit Weingarten und Weinkeller.
Einer der Hauptanschuldigungen, die im Prozess gegen ihn vorgebracht
wurden, war, dass er mit Hostien Unfug getrieben und Hagel erzeugt
habe. So soll die Ursache für die beiden Hagelunwetter der Jahre 1672
und 1673 seine Zauberkünste gewesen sein. Sonderbarerweise verteidigte
sich Agricola kaum gegen die vorgebrachten Anschuldigungen. Was er aber
entschieden von sich wies, war der Vorwurf, Hostien verunehrt zu haben.
Auch von den Plätzen, an denen sich die Gesellschaft getroffen habe und
von der Eiche, aus der der trübe Wein rinne, wollte er nichts wissen.
Ebenso bestritt er, die Hagelunwetter erzeugt zu haben, da er zu dieser
Zeit krank gewesen sei. Es gab auch zahlreiche entlastende Aussagen.
Die Dienstmagd vom Pfarrhof Hatzendorf erklärte zum Beispiel, dass sich
der Pfarrer immer ordentlich benommen habe und er vor allem den
Gottesdienst ernster genommen habe als seine Vorgänger und Nachfolger.
Die geistliche Oberbehörde verurteilte Agricola in mehreren Punkten und
bezeichnete ihn als Gottesräuber und dem Irrglauben verfallen. Das
Urteil wurde am 16. Mai 1675 von der Feldbacher Kanzel herab verkündet.
Während einige der
weiteren
Angeklagten hingerichtet wurden, starb Agricola plötzlich im Kerker.
Man sagte, dass ein Rabe gesehen worden sei, der gegen "des Agricolas
Quartier" geflogen und unmittelbar vor dessen Fenster umgekehrt sei. Es
ging das Gerücht um, dass der Marktschreiber und der ehemalige
Marktrichter Pfarrer Agricola auf höheren Auftrag hin erwürgt hätten.
Der Teufel aber habe in Rabengestalt die Seele des Pfarrers geholt. Als
der Leichnam Agricolas verbrannt werden sollte, weigerten sich die
Feldbacher, diese Kosten zu übernehmen. So lag die Leiche eine Weile,
bis sie schließlich, bereits leicht verwest, doch auf Kosten des
Marktes Feldbach verbrannt wurde. Der Hexenprozess kostete riesige
Summen Geld und besonders die Feldbacher Bürger, die diese Kosten zu
trugen hatten, litten unter den ihnen auferlegten Lasten.
Viele
Angeklagte wurden monatelang festgehalten, um auf die Ankunft der
geistlichen Kommissare zu warten. Da die Inhaftierten fast alle aus
ärmlichen Verhältnissen kamen, war kaum jemand selbst oder seine
Familie in der Lage, für den Unterhalt bzw. die Kosten aufzukommen.
Einzig der Ehemann der inhaftierten Katharina Paldauf,
der in gewissem Maße vermögend war, konnte vom Graf von Purgstall zur
Unkostenabdeckung herangezogen werden. Die hohen Geldbeträge, die von
ihm gefordert wurden, trieben ihn und seine drei Kinder fast in die
völlige Armut.
Am 15. März 1675 begann der Prozess gegen die Riegersburger Gruppe mit all seinen Schrecken. Katharina Paldauf,
die Gattin des Burgpflegers der Riegersburg, war eine der
Hauptangeklagten. Beim Verhör nannte Katharina die Namen mehrerer
Beteiligter an den diversen Zusammentreffen. Die Schneiderin Eva
Grienwaltin sagte am 27. Juni 1675 aus, Katharina Paldauf habe ihr Kind getötet und in den tiefen Schlossbrunnen geworfen.
Bei den Verhören bekam Katharina Paldauf
regelrechte Tobsuchtsanfälle und beschuldigte Angehörige der
Geistlichkeit, an den Gesellschaften teilgenommen zu haben, wie den
mittlerweile verstorbenen Hauptpfarrer Zirkelius sowie Jakob Naast (Nöst), den Pfarrer von Hartmannsdorf, und Waldhauser Meixner, den Pfarrer von Paldau. Auf Anordnung des Salzburger Konsistoriums wurden diese Geistlichen in Verwahrung genommen. Schließlich wurden auch noch Plumauer, der alte Pfarrer von Paldau, und Georg Paar, der Pfarrer von Fehring denunziert. Nach einer Gegenüberstellung mit Katharina Paldauf
wurden sie aber wieder freigesprochen. Insgesamt wurden rund 100
Beteiligte der Riegersburger Gruppe der Hexerei bezichtigt. Allein von
Maria Kropf wurden bei ihren Verhören über 50 Personen, unter ihnen
auch einige Geistliche, denunziert. Trotz schwerster Torturen, wie
gebunden und aufgezogen oder auf der "Pankh" oft bis sechs Stunden lang
gefoltert zu werden, wurden einige der Beschuldigten in gutem
körperlichen Zustand wieder aus Feldbachs Folterkammer entlassen.
Zwischen den Verhören und Folterungen
billigte
man den Beschuldigten oftmals eine Erholungspause von 48 Stunden zu.
Die Aussagen der Riegersburger Gruppe stimmten mit denen der
Hatzendorfer überein. Beim Treffen haben die Hexen und Hexer schwarze
und gelbe Federbuschen aufgehabt und der Teufel, den sie gesehen haben,
sei völlig schwarz gekleidet gewesen. Nach dem sogenannten Tumult seien
die Teilnehmer, oft bis zu 40 an der Zahl, in "Khobelwägen" nach
Untertiefenbach und Trautenbach gefahren. Vereinzelt soll man auch
dorthin geflogen sein. Als Katharina Paldauf
gefragt wurde, wieso sie das alles getan habe, meinte sie: "Dazu hat
mich der Müßiggang und das gute Leben bewogen". Leider geben die
Urkunden über die Verurteilung von Katharina Paldauf
keine genaue Auskunft. Sie war jedoch am 23. August 1675 in Feldbach
verhaftet worden und dürfte am 23. September 1675 (?) hingerichtet
worden sein. Was mit den Geistlichen geschah, die im Prozess verwickelt
waren, lässt sich nicht feststellen. Wahrscheinlich wurden sie
freigesprochen oder konnten sich durch Flucht der Hinrichtung
entziehen.
Katharina Paldauf jedoch war eine der
außergewöhnlichsten Frauen unter den Verurteilten. Sie ist der Nachwelt
als sogenannte "Blumenhexe" in Erinnerung geblieben. Die Bilanz dieses
Hexenprozesses, der der größte der Steiermark war, ergibt, dass wegen
Zauberei zahlreiche Personen angezeigt wurden, über 60 davon sind
namentlich bekannt.
Die Elisabeth Kolbin
aus Altenmarkt bei Fürstenfeld war 1675 angeklagt, weil sie ihren
Krautacker mit Hilfe einer gerösteten Kröte vor Diebstahl geschützt
hatte, und ein Soldatenweib, durch diesen Abwehrzauber, das von diesem
Acker einen Krautkopf gestohlen hatte, schwer erkrankt war. Eine
Schweinehirtin soll aus Brotneid der Frau eines anderen Schweinehirten
eine Krankheit angezaubert haben. Darum wurde sie 1676 in Fürstenfeld
solange angekettet, bis die Erkrankte wieder gesund war.
Eine Kostenrechnung vom 26. November 1677 gibt Auskunft darüber, dass Mathias Thür in Hohenbrugg an der Raab, Philipp Hueber und Jakob Hueber mit dem Feuer vertilgt worden sind, während Michael Prasch, Katharina Grudl und Eva Stainerin im Gefängnis verstorben sind und daraufhin verbrannt wurden.
Zum Verbrennen der Leichen wurden dreißig Klafter Holz
benötigt. 1678 kam es beim Landgericht St. Georgen zu einem Prozess
gegen den Bauern Paul Krisper, der auf dem Edelsberg zwischen Breitenbuch und Dörfla (Gemeinde Zerlach) wohnte, und gegen den Bauern Hans Mayr
aus dem Bodengraben. Beide waren wegen Zauberei und der Kunst des
Wettermachens angeklagt. Mayr war bereits 15 Jahre zuvor wegen eines
anderen Delikts eingesperrt gewesen, da er des Weintraubendiebstahls
überführt worden war. Als er deshalb seinen Weinberg verlor, meinte er
wütend, dass das, was die Edelsberger fexen (ernten) würden, sie schon
beisammen hätten. Die Bauern glaubten daraufhin, er habe eine Drohung
ausgestoßen, die Ernte zu vernichten. Einmal wurde er beobachtet, wie
er bei einem Gewitter alle Fenster und Türen seines Hauses geöffnet
hatte. Als man ihn nach dem Grund fragte, gab er an, dass er betend von
Fenster zu Fenster und Tür geeilt war, um das Gewitter zu vertreiben.
Von Paul Krisper sagte man, dass er einen Milchzauber anwende, um die Milchleistung seiner Kühe zu steigern.
Gemeinsam mit Hans Mayr soll Paul Krisper
auch einmal eine Wallfahrt nach Maria Lankowitz unternommen haben, von
wo beide nach Kirchbach zurückgeflogen seien. Den Bauern der
Nachbarschaft waren beide Männer nicht geheuer, denn sie sprachen am
24. April 1678 auf Schloss Freiberg wegen der Verdächtigen vor. Als
durch ein schweres Hagelunwetter die Felder um Kirchbach vernichtet
wurden, und die Ehefrau Krispers ihren Gatten der Zauberei bezichtigte,
kam der Prozess unter der Leitung von Bannrichter Andreas Schlätter ins
Rollen. Beim Verhör widerrief die Frau Krispers ihre Aussage, da sie
erklärte, ihren Mann nur aus Eifersucht beschuldigt zu haben. Daraufhin
verfügte Bannrichter Schlätter eine hohe Geldstrafe. Der Statthalter
der innerösterreichischen Regierung ließ aber den Prozess neu aufrollen
und beauftragte Johann Webersberg mit der Untersuchung. Webersberg ließ
die Frau Krispers durch "hart Binden" foltern, doch diese blieb bei
ihrer Aussage, dass sie ihren Mann nur aus Eifersucht beschuldigt
hatte. In der Folge ließ Webersberg auch Paul Kripser foltern. Er wurde
vom Freimann erfolglos nach verdächtigen Körpermalen untersucht und
schließlich aufgezogen. Nach eineinhalbstündiger Tortur wurde Krisper
ohnmächtig. Auch Mayr wurde auf ein verdächtiges Körpermal hin
untersucht. Er hatte an der linken Achsel ein Mal, das verdächtig nach
Teufelsmal aussah. Der Freimann stach ihm daraufhin mit einer fast
fingerdicken Nadel in das Mal. Da Mayr dabei große Schmerzen empfand,
erklärte man das Mal als natürlich und nicht als Teufelsmal. Mayr wurde
danach ebenfalls aufgezogen und anschließend auf den Hexenstuhl, dem
grausamsten aller Folterwerkzeuge gesetzt. Beide Männer ließen sich
jedoch zu keinem Geständnis bewegen. Das Verfahren wurde am 26. August
1678 auf Anordnung der Grazer Zentralbehörde eingestellt.
Als über Grub im Jahre 1680 ein schweres Unwetter niederging, begann im Landgericht Gleichenberg das sogenannte große Hexentreiben. Seinen Anfang nahm es durch die Anzeige gegen die Webermeisterin Katharina Halbedlin, die von einem Bauern beschuldigt wurde, für das Unwetter verantwortlich zu sein. Die Frau gestand unter der Folter die Vorwürfe und nannte noch eine Reihe weiterer Namen. Sie wurde am 20. Juli 1680 nahe dem Schloss Gleichenberg gehängt und anschließend verbrannt.
Pannen
und unsachgemäße Vorbereitung der Scheiterhaufen haben oft zu einem
qualvollen Tod der Delinquenten geführt. Am 26. März 1689 nahm in der
Trauttmansdorffschen Herrschaft und Landgerichtshoheit Gleichenberg ein
großer Hexenprozess seinen Ausgang. Wie das Protokoll berichtet, wurde
"ein Weibs Malfiz Persohn Nambens Susanna Pindterin" wegen Magie angezeigt und verhört. Die 24jährige Frau erzählte, dass sie auf dem Heimweg
vom
Feld gewesen sei, als ihr unterwegs der Böse in einem schwarzen,
bürgerlichen Kleid und einem schwarzen, breiten Hut begegnet sei und
von ihr die Verleugnung der Heiligen Dreifaltigkeit und ihre Seele
gefordert habe. Nachdem sie dies versprochen habe, habe sie der Böse in
einem "Khoblwagen" mit zwei braunroten Pferden auf den Gleichenberger
Kogel mitgenommen. Dort seien bereits andere Leute gewesen, die Braten
gegessen und aus silbernen Bechern getrunken haben. Danach sei sie mit
dem Bösen zum Stradner Kogel gefahren, wo sie mit "Schauer Wörtern"
Hagel zu Boden rieseln ließen, der sich jedoch in Wasser verwandelt
habe. Am St. Jakobstag sei der Böse zu ihr auf die Tenne gekommen und
dann seien sie zuerst auf den Stradner Kogel gefahren, wo schon zwanzig
Leute gewesen seien, und dann auf den Gleichenberger Kogel, von wo sie
in Nebel und Wolken aus denen Regen floss, nach Trautmannsdorf gefahren
seien. Eines Nachmittags sei sie gerade in der Stube gelegen, als der
Böse gekommen sei und sie zur Eiche nach Merkendorf gebracht habe. Auch
dort seien schon einige andere beisammen gewesen. Man habe ihr Wein in
einem silbernen Becher gereicht. Als sie mit den andern anstoßen und
auf die Heilige Dreifaltigkeit habe trinken wollen, da seien plötzlich
alle verschwunden gewesen und sie habe statt des Silberbechers einen
Pferdehuf in der Hand gehalten. Susanna Pindterin wurde mit dem Schwert hingerichtet und anschließend verbrannt.
Ein weiterer Fall in diesem großen Prozess war der der Maria Ländlerin,
die beim Verhör erzählte, wie sie in die Fänge des Bösen geraten war.
Demnach war sie von ihrem Mann geschlagen worden, worauf sie in den
Wald floh. Dort aber habe sie ein kleines Manderl getroffen, mit dem
sie dann von einem Baumast aus auf den Stradner Kogel geflogen sei.
Dieses Manderl habe sie auch zu Hause aufgesucht, es sei nach Pfingsten
gewesen, als es in die hintere Hütte gekommen sei. Ihr Mann sei gerade
nicht zu Hause gewesen, da habe das Manderl von ihr Ehebruch gefordert.
Aber sie habe dabei keine Wollust verspürt, denn das Manderl sei ganz
kalt gewesen. Danach habe es ihre Seele gefordert, die Verleugnung der
Heiligen Dreifaltigkeit und ihre Dienste.
Ursula Grindlin aus Sulz berichtete, dass sie beim Schwammerlsuchen gewesen sei, als sie den Peter Fossolt
mit seinem Weib und einem großen, schwarzen Hund getroffen habe. Sie
sei dann mit ihnen zum Stradner Kogel gefahren, wo es einen Hexensabbat
gegeben habe. Peter Fossolt war auf den
Bösen getroffen, der "Casperl" genannt wurde und sich ihm als Mann oder
als Reitpferd gezeigt habe. Er habe dem Bösen die Seele und die
Verleugnung der Heiligen Dreifaltigkeit versprochen. Daraufhin habe ihm
der Böse einen Tigel mit einer blaugrünen Salbe gegeben, mit der er und
sein Weib sich in den Achselhöhlen eingeschmiert haben, worauf sie
beide die Gestalt eines Habichts, der Böse aber die Gestalt eines Raben
angenommen habe. Sie seien auf den Stradner Kogel geflogen, wo sich der
Böse in einen schönen Herrn verwandelt habe. Insgesamt sei er achtmal
mit Hilfe der blaugrünen Salbe entweder auf Hochstraden oder auf den
Gleichenberger Kogel geflogen. Von dort haben die Hexen und Teufel
nussgroße "Schauer" über die Felder geschickt. Er selbst habe auch die
Kunst des Schauermachens erlernt. Dazu kochte er in einem Topf Wasser
und kleine Steine, gab Hexensalbe dazu und eine Hostie und ließ alles
zugedeckt lange kochen. Die Hostie habe er nach Ostern in der Messe,
die er in Trautmanndorf besucht hatte, aus dem Mund genommen.
Der Böse schien nach einem besonderen Muster vorgegangen zu sein, denn
seine bevorzugten Opfer waren vor allem Frauen, die unter ihren Männern
zu leiden hatten. Diese Frauen dürften wohl oft verzweifelt und
depressiv gewesen sein, was sie zu einer Flucht in Phantasien und
vielleicht auch Drogen verleitet haben könnte.
Die 50jährige Susanna Reppin,
seit 23 Jahren verheiratet, wurde ebenfalls angeklagt und beschuldigt,
an verschiedenen Hexentreffen teilgenommen zu haben. Sie berichtete,
dass sie auf dem Stradner Kogel gewesen sei, wo sie mit mehreren Leuten
zu Geigenmusik getanzt habe. Dann sei ein kleines schwarzes Manderl
gekommen, der ihr jüngstes Kind haben wollte. Da sie dieses Kind aber
nicht hergeben wollte, habe sie dem Manderl ihre Seele versprochen und
habe, um ihn nicht zu erzürnen, auch der Heiligen Dreifaltigkeit
abgeschworen. Es habe Sterz, Kraut gebratene Schwämme und eine
Fleischspeise zu essen gegeben, aber alles sei ungesalzen gewesen. Nach
dem Essen hätten sich alle mit einer Salbe unter der Achsel beschmiert,
in Raben verwandelt und seien erst auf eine Wiese und dann ins Gnastal
geflogen, von wo aus man zu Fuß nach Hause gegangen sei. Susanna Reppin wurde am 25. Mai geköpft und ihr Körper auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Veronika Rauchin war seit
28 Jahren verheiratet. Ihr wurde eine ehebrecherische Buhlschaft mit
dem Bösen vorgeworfen. Der Teufel habe die Gestalt eines wunderschönen
jungen Bauernburschen gehabt, sei braun gekleidet gewesen und auf einem
schwarzen Pferd geritten. Einmal sei sie von einem Sabbat auf dem
Gleichenberger Kogel mit dem Teufel auf den Schöckl geflogen, wo sie in
einem Bottich Wasser zu Schnee und zu Hagel verrührt hätten, den sie in
Säcke gefüllt und über verschiedene Ortschaften ausgeschüttet hätten.
Von ihren geschlechtlichen Erlebnissen mit dem Teufel berichtet sie,
dass sein Glied von Natur aus kalt sei. Sie hätten es immer eine halbe
Stunde getrieben, bis ihr die Lust vergangen sei.
In den Kirchen von Trautmannsdorf, St. Anna und
Straden habe sie bei den Messen das Allerheiligste aus dem Mund
genommen und zur Hexengesellschaft gebracht, wo die Hostie dann zum
Unwettermachen verwendet worden sei. Die nächste Hinrichtung gab es
erst wieder im Jahr 1690, als am 23. Juni 1690 Matthias Schwanz
geköpft und anschließend verbrannt wurde. Er soll über Gnas Hagel
ausgestreut haben. Die finanzielle Hilfe, die ihm der Teufel aber
zugesagt habe, habe er nie erhalten.
Eva Legnstainin aus Haag
soll, wie viele andere Frauen in den Gleichenberger Prozessen, den
Teufel, der ihr auch hin und wieder als schwarzer Hund erschienen sei,
zum Buhlen gehabt haben. Auch sie meinte, dass sie keine rechte Lust
verspürt habe, da alles am Teufel kalt sei. Und er habe, "ein ware
timple (schwerfällige) redt gehabt."
Hans Kropf
soll mit einer Hostie in einem Kobelwagen mit vier schwarzen Rössern
zum "Schauerrühen" auf den Stradner Kogel gefahren sein. Der Teufel
soll zu ihm in Gestalt eines Halterbuben namens Jörg gekommen sein und
habe eine "timple rödt" gehabt. Die Hostien aber hätten sie zum
Hagelmachen gebraucht. Hans Kropf wurde durch den Strang getötet.
Die 29jährige Afra Schwanz
soll mit dem Teufel in einer Kalesche mit zwei braunen Pferden auf den
Gleichenberger Kogel gefahren sein. Sie berichtete, dass sie noch nie
so viele Leute gesehen habe wie beim Tanz beim Merkendorfer Kreuz, auf
dem Gleichenberger Kogel, auf dem Stradner Kogel, beim Suptor und beim
Kreuz unweit des Ziegelstadels gegen Straden. Wie in einem
Bienenschwarm sei es hergegangen. Auf dem Stradner Kogel habe sie der
Böse auf die Seite geführt und missbraucht, aber sie habe keine Lust
verspürt, denn der Teufel habe sie fest gedrückt und seine Natur (sein
Glied) sei eiskalt gewesen. Beim Muggendorfer Kreuz habe er sich
nochmals nähern wollen. Als sie sich gewehrt habe, habe er gedroht, sie
zu zerreißen.
Die 30jährige Veronika Schwanzin
soll mit Hilfe der Hexensalbe auf den Stradner Kogel geflogen sein. Sie
habe sogar Storchengestalt annehmen können, berichtete sie beim Verhör,
und einmal sei sie mit zehn Kaleschen voller Hagel in das Gnastal
gefahren, um ihn dort auszustreuen. Sie habe immer Spielleute bei sich
gehabt, und nach dem Flug hätten sie sich immer beim Muggendorfer Kreuz
niedergelassen.
Eva Listin aus Haag war
von ihrem Mann, der gegen Mitternacht angetrunken nach Hause gekommen
war, verwünscht, gescholten, geschlagen und schließlich aus dem Bett
gejagt worden, worauf sie sich in die Tenne flüchtete. Dort sei der
Böse zu ihr gekommen, der von ihr forderte, ihm mit Leib und Seele zu
dienen, denn er werde sie besser behandeln als ihr Mann. Danach habe er
es über eine Stunde mit ihr getrieben, was aber schmerzhaft gewesen
sei, weil sein Glied hart gewesen sei, als wäre es aus Holz mit
Steinchen darunter, und es sei eiskalt gewesen. Er habe sie drei mal
gebuhlt.
Bereits am 22. Juli wurden wieder drei Frauen geköpft und ein Mann
erdrosselt. Die Frauen in diesen Prozessen hatten alle übereinstimmend
gesagt, dass der Teufel beim Reden "geschnofelt" (durch die Nase
geatmtet) habe und dass sie, wenn er ihnen beiwohnte, keine Lust
empfanden, weil das Geschlechtsteil des Teufels eiskalt gewesen sei. In
den Gerichtsprotokollen wird über die sexuellen Begegnungen mit dem
Teufel sehr direkt und peinlich genau berichtet. Bei den Gleichenberger
Prozessen stand im Gegensatz zu den Riegersburger Prozessen die
"Liebesbeziehung" mit dem Teufel im Vordergrund. Gertraud Hofferin,
eine 45jährige Frau aus Plödenbach, trug ein Teifelszeichen an der
rechten Hand. Als man beim Verhör mit der Nadel hineinstach, soll sie
nichts davon gespürt haben und auch kein Blut soll geflossen sein. Veronika Thaknerin
aus Merkendorf berichtete, dass sie in einem schönen Schloss auf dem
Stradnerkogel gewesen war. Dort habe man Wein aus silbernen Bechern
getrunken, der aus einer Eiche herausgeronnen sei. Danach sei die ganze
Gesellschaft zum Muggendorfer Kreuz geflogen, wo man wieder gegessen,
getrunken und getanzt habe. Auch Hagel habe man gemacht und über Gnas
ausgeschüttet.
Andre Hierschmann
aus Bairisch Kölldorf gestand, dass der Böse in "Graspochwaltl" und
"Wipergen" in Gestalt einer schönen jungen Bauerndirn zu ihm gekommen
und mit ihm eine Liebschaft eingegangen sei. Er habe auch am
Hexensabbat teilgenommen, wo er mit seiner Geige aufspielen musste.
Achtmal habe er Hagel gemacht, wofür der selbst die Hostie mitgebracht
habe. Dabei sei das Allerheiligste hin- und hergeworfen, bespuckt und
als "schwarzer Kuhdreck" beschimpft worden, bis Hagel entstand, mit dem
die Hexengesellschaft die Felder bei Fehring und Straden und einiger
umliegender Orte zerstört hätten. Andre Hierschmann wurde auf dem Scheiterhaufen befördert und verbrannt.
Katharina Lakhnerin, die
30jährige Amtmannin zu Waldsberg hatte Besuch vom Teufel in einem
schwarzsamtenen Kleid, der sich als Gott ausgegeben habe. Sie sei von
diesem Mann immer in einem schönen Kobelwagen abgeholt und auf den
Stradner Kogel geführt worden. Einmal habe er sie sogar dorthin
entführt und dann "genettiget und braucht".
Jacob Feurthmiler aus
Waldsberg gab ebenfalls an, eine Begegnung mit dem Teufel gehabt zu
haben, der in Bauerngestalt zu ihm gekommen sei, als er durch das
"weltsperger holz gangen" sei. Der Böse habe von ihm die Verleugnung
der Heiligen Dreifaltigkeit und "Unserer lieben Frau" (Maria) verlangt.
Bei den Treffen der Hexengesellschaft in Hochstraden und beim
Muggendorfer Kreuz habe der Böse immer ein "falbenes" Kleid getragen,
habe wie ein Edelmann ausgesehen und erklärt, dass er Gott sei. Die
Gesellschaft habe linsengroßen Hagel gemacht und über dem Stradner
Kogel, in Waldsberg und im Gnastal ausgestreut.
Hans Scheer aus
"Wilchenstorff" erzählte, dass ihn der Böse aus seinem Bett geholt
habe, und er sei dann in einem Nebel über die Bäume geflogen, während
der Teufel ihm auf einem braunen Pferd gefolgt sei. Beim Hexensabbat
habe er einmal die Amtmannin aus Waldsberg gesehen, wie sie in einem
Nebel zum Muggendorfer und dann zum Merkendorfer Kreuz geflogen sei.
Bei seinem Verhör gestand Franz Schwanz
aus Willhelmsdorf, dass er mit dem Pferd seines Vaters 15 mal Sodomie
getrieben habe. Auch habe er Hagel gemacht. Das Rezept lieferte er
gleich dazu: "in eine Poting Von schmee Khrotten (Kröten), aydexen
(Eidechsen), Und dergleichen züchtiges Weßen schauer zusamben gerüret,
worbey thails übel gescholten ..." diesen Schauer habe er dann über
Sulz, Steinbergen und Gleichenberg ausgestreut.
Auch Barbara Häkhlin aus
Merkendorf, die vom 27. bis 29. Juli verhört wurde, berichtete, wie
Schauer gemacht wurde. Dabei habe sie eine Hostie von der Kirche von
Trautmannsdorf mitgebracht. Auf dem Stradner Kogel sei die Hostie in
einem Bottich mit Wasser vermischt und Schauer gemacht worden. Sie sei
im Steinbacher Wald auf den Bösen getroffen, der von mittlerer Größe
und schwarz gewesen sei. Er sei herrisch gekleidet und an den Händen
und im Gesicht schwarz gewesen, auch die Fingernägel seien lang und
schwarz gewesen. Dreimal habe er ihr beigewohnt, wobei sein
Geschlechtsteil so groß wie das eines Pferdes, aber ganz kalt gewesen
sei. Sie habe keine Wollust verspürt.
Maria Frizin
war auch eine jener Bedauernswerten, die unter ihrem Mann zu leiden
hatte, der sie, volltrunken, verprügelt hatte. Sie saß am Herd und
weinte, als der Böse zu ihr gekommen sein soll. Der Böse sei des Nachts
zu ihr ins Ehebett gekommen und habe es mit ihr getrieben, während ihr
Mann daneben schlief.
Der Ehemann von Magdalena Khindlerin
beschimpfte sie aufs Ärgste und jagte sie in den Wald, weil er glaubte,
dass sie zuwenig arbeitete. Sie sollte im Wald Holz sammeln, als der
Teufel in einem weißen Kleid gekommen sei, sie unter den Achseln
gefasst und auf den Stradner Kogel zu einer Hexengesellschaft getragen
haben. Barbara Playhießlin war krank
und
bat ihren Mann um ein junges Kraut: Ihr Mann wurde daraufhin so zornig,
dass er sie verwünschte und schrie, der Teufel möge sie auf den
"Greithauffen" führen, weil sie nur essen und nichts arbeiten wolle.
Als die Playhießlin dann einmal von der Kirche in St. Anna nach Hause
ging, sei ihr der Teufel erschienen und habe sie auf den Stradner Kogel
zur Hexengesellschaft geführt. Der Teufel nutzte viele Gelegenheiten,
bei denen er sich an seine Opfer heranmachte. Frauen, die gerade im
Wald Pilze versuchten, waren ein beliebtes Ziel sowie Frauen, die von
ihren Männern misshandelt wurden, wie die junge Maria Lädlerin, Eva Listin oder Maria Frizin.
Er kam aber auch zu Männern und suchte seine Opfer heim, wo immer es
ihm gefiel, auf dem Acker, im Haus, im Wald, im Garten, im Keller oder
im Weingarten. Einer 50jährigen Keuschlerin soll er sich genähert
haben, als sie gerade ein Mieder vom Schneider in Haag nach Hause trug.
Auch beim Tanz in den Poppendorfer Bergen soll er anzutreffen gewesen
sein. Er trat in allen möglichen Situationen auf, war einmal Tröster
für unglückliche Frauen, dann wieder versuchte er sich als Schmeichler
und Locker und versprach seinen Opfern viel Geld oder große Schätze.
Wie einem Mann, der bei einem Wirt in Purkla in drei Tagen und Nächten
sein Geld, das er durch den Verkauf eines Ochsen eingenommen hatte,
verprasste. Auf dem Heimweg war er sehr betrübt, als ihn der Teufel
ansprach und ihm Reichtum verhieß.
Auch Adam Großschedl aus
Karbach soll er Gold versprochen haben, doch er habe "nie nichts außer
ainmall hernach bey dem Muggendorfer Kreuz 2 große hendt Voll so vüll
er faßen khune, schnee weiße groschen und Fünffer" bekommen, die sich
jedoch am nächsten Morgen in Pferdemist verwandelt hätten. Der Teufel
konnte in verschiedenen Gestalten erscheinen, als Katze oder als
schwarzer Hund, als Bettler, als Bauer, als Edelmann, als kleines
Manderl (Männchen), Halterbub, Kaufmann, Jäger usw. Dadurch war
natürlich auch seine Kleidung unterschiedlich. Er konnte schwarz
gekleidet sein und bürgerlich mit einem breiten schwarzen Hut oder mit
einer ungarischen Kappe oder sogar mit einem silbernen Hut. Sein Rock
war schwarz, braun, gelb oder aus weißem Leder, manchmal auch aus
schwarzem Samt (Sammet). Beim Reden hat er "geschnofelt" mit einer
heiseren "timplen" Stimme, sodass er nur schwer zu verstehen war. Er
bezeichnete sich als Casperl, Hans, Hiesl, Jörg, Lienhardt, Mörägebits
und gab sich als Gott oder als heiliger Petrus aus.
Katharina Khumberin war
ein kohlschwarzer Hund mit leuchtenden Augen erschienen. Sie habe sich
sofort bekreuzigt, aber es schien bereits zu spät gewesen zu sein, denn
sie sei in einer Hexengesellschaft gelandet. Dort habe man ihr "ein
ayern schmalz" zu essen gegeben, dass sich in ihrer Hand jedoch in
Kuhmist verwandelt habe. Ein andermal habe man ihr einen Zinnbecher mit
Wein gereicht, der sich in Rinde verwandelt habe. Der Teufel aber habe
einen braunen Bürgerrock getragen, habe einen aufgedrehten Bart gehabt,
gelbe schadhafte Zähne und eine "schnoffelte" Rede.
Die Witwe Margreth Scherin
aus Krusdorf-Bergen war bereits 60 Jahre alt, als ihr im Weingarten
einmal ein schwarzer Hund zugelaufen sei. Sie habe nach ihm geschlagen,
da habe sich der Hund in ein kleines schwarzes Manderl verwandelt, das
gesagt habe, sie solle es nicht schlagen, es würde sie dafür an einen
guten Ort führen. Sie habe mit dem Teufel später auch eine
geschlechtliche Beziehung gehabt.
Mathias Stradner hatte 30
Gulden in der Tasche, mit denen er sich nach Purkla aufmachte, um dort
einen Ochsen zu kaufen. Unterwegs aber traf er andere Bauern und sie
verprassten das ganze Geld. Als er nun betrübt nach Hause ging, habe er
einen Bauern getroffen, der lange schwarze Fingernägel gehabt und ihm
zu helfen versprochen habe. Sie hätten sich beide auf den Weg gemacht,
um einen Ochsen zu kaufen, doch bei der Stainzer Brücke haben sie einen
Mann in einem gestreiften Kleid getroffen, der eine Kalesche mit zwei
schwarzen Pferden fuhr. Da habe der fremde Bauer von ihm die Seele und
die Verleugnung der Heiligen Dreifaltigkeit gefordert, woraufhin sie in
der Kalesche zum Muggendorfer Kreuz gefahren seien, wo eine
Gesellschaft gewesen sei. Es wurde gegessen und getrunken, sogar
Kalbfleisch wurde genossen, und zwei Musikanten hätten mit der Geige
und der Baßgeige gespielt.
Khunigundt Matholtin war
gerade auf dem Heimweg, als sie den Schneider von Haag traf. Beide
gingen ein Stück des Weges, doch bei der Waldsberger Brücke nahe dem
Kreuz hätten sie plötzlich ein Gesäusel gehört, und eine große schwarze
Katze sei aus dem Bach gekommen, die sich auf einmal in einen Menschen
verwandelt habe. Der Böse sei dann nachts zu ihr ins Bett gekommen. Er
sei genauso wie ein Mensch gewesen, nur kalt, sodass sie keine Wollust
verspürt habe. Sie wurde am 28. Juli 1690 geköpft und verbrannt.
Maria Neuhwirthin
berichtete, sie habe den Teufel das erste Mal in ihrem Weingarten in
den Ebersdorfer Bergen getroffen. Einmal, als sie auf dem Stradner
Kogel war, habe der Teufel von ihr gefordert, dass sie die
Dreifaltigkeit verleugne, damit er ihr helfen könne. Sie habe auch
geschlechtliche Beziehung zu ihm gehabt.
Bezeichnend für die Prozesse in Gleichenberg ist, dass die
Gerichtsverhandlungen alle außerordentlich kurz waren, wobei nach der
Urteilsverkündung sofort die Hinrichtung erfolgte. Die Aussagen der
Angeklagten stimmen in der Beschreibung der Hexengesellschaft meist
überein. So sollen sich bis zu 200 "herrische und bäuerliche Leuth"
versammelt haben, wobei es lustig zugegangen sei und man gegessen,
getrunken und getanzt habe. Interessant ist auch, dass alle Verhörten
berichteten, dass der Böse ihnen den Sinn geraubt habe, sodass sie erst
später wieder zu Bewusstsein gekommen seien. Die Orgien sollen meist
damit geendet haben, dass Schauer (Hagel) gemacht und über Sulz, das
Gnas- und Steintal, Frauenberg und Jamb, Untergnas und Klöch, Fehring
und das Ungarische ausgeschüttet worden sein soll. Sogar auf den
Schöckl sollen die Hexen vom Gleichenberger Tal aus gefahren sein.
Von 25 Frauen hatten 15 angegeben,
sich
mit dem Teufel "eingelassen" zu haben, wobei es übereinstimmende
Aussagen über den Hergang gibt. Bis zum 27. September 1690 wurden 38
Menschen hingerichtet. Im Volksmund zählt der Hochstradner Kogel (607
Meter Seehöhe) neben dem Schöckl zu den bekanntesten steirischen
Hexenbergen. Aber auch die Gleichenberger Kogel (596 Meter Seehöhe)
erlangten als Hexentreffpunkte Berühmtheit. Gleichenberg war um 1699
abermals Schauplatz eines Hexenprozesses. Nach schweren Unwettern
forderte die verängstigte Bevölkerung die Verurteilung einiger Frauen,
die als Dorfhexen verschrieen waren. Es kam im Herbst 1699 zu fünf
Verhaftungen und Untersuchungen, in deren Folge zwei Frauen
hingerichtet wurden. Weitere drei angeklagte Frauen wurden im Hexenturm
gefoltert und schließlich vom Bannrichter Dr. Pistory zum Tode
verurteilt. Diese Urteile wurden jedoch wegen fehlender Beweise von der
innerösterreichischen Regierung wieder aufgehoben, die Frauen mussten
freigelassen werden.
Veronika Weberin stand im
Jahr 1700 wegen Zauberei in Radkersburg vor Gericht. Sie soll einen
Schrattel besessen haben. Doch sie hatte Glück und wurde
freigesprochen. Was dieses Urteil ermöglichte, ist heute nicht mehr
bekannt.
Hostien waren begehrte Zaubermittel. So wurde etwa der alte Franz Gauckler von seinem eigenen Sohn beschuldigt, eine Hostie aus dem Mund genommen und dem Jury Kölbl in Oberradkersburg verkauft zu haben. Jury Kölbl
galt als Zauberer, der sogar in einem Zimmer Wetter herbeizaubern
konnte. Er soll die Hostie für die Behandlung seines kranken Viehs
verwendet haben. Franz Gauckler und einer
seiner Söhne wurden verhaftet und gefoltert. Der Sohn, der auf
Veranlassung des Bannrichters Dr. Wolfgang Calin mit Ruten geschlagen
wurde, zeigte bei dieser Folter keinen Schmerz. Daraufhin wurde sein
Körper untersucht, ob er sich nicht irgendwo eine Hostie habe einheilen
lassen, da diese schmerzunempfindlich mache. Der Angeklagte wurde auch
mit anderen Mitteln gefoltert. Er starb während der Haft.
Die Überlebenden dieses Prozesses wurden wegen
Beweismangel freigelassen. Die Methode, einen Delinquenten mit
Ungeziefer zu foltern, war eine gängige, grausame Art der Tortur, da
sich der Maleficant nicht rühren konnte. Ab der Mitte des 17.
Jahrhunderts nehmen die Hexenprozesse deutlich ab, es kommt auch
seltener zur Verhängung der Todesstrafe, da sich die Richter häufig um
andere Strafen bemühen. Dennoch gibt es in Österreich vereinzelt noch
die Grausamkeiten der Folter und natürlich auch Hinrichtungen, wie sie
in den vergangenen Jahrhunderten an der Tagesordnung waren.
Die Bauern und das einfache Volk allerdings bleiben dem Aberglauben,
dem Glauben an Zauberei und Hexerei noch lange verhaftet. Zu sehr ist
ihr Leben von der Natur und ihren Launen abhängig, deren Wurzel
zauberischer Natur sein musste.
Maria Theresia schließlich versuchte, diesen Aberglauben einzudämmen,
indem sie am 1. März 1755 in einer Resolution Zauberei als Betrug
bezeichnete. Der Glaube an dunkle unheilvolle Mächte ist so alt wie die
Menschheit. Einst waren es natürliche Begebenheiten, deren Ursachen man
sich aufgrund des herrschenden Wissensstandes nicht rationell erklären
konnte, wie etwa Unwetter, Naturkatastrophen, plötzliche Erkrankungen,
Seuchen und Todesfälle, die den Aberglauben an Zauberei und
übernatürliche Mächte schürten. Heute leben wir in einer aufgeklärten,
rationellen Gesellschaft und müssen dennoch miterleben, wie sich Sekten
großen Zuspruchs erfreuen, wie Satanskulte entstehen oder eine neue
esoterische Welle das Denken der Menschen erfasst.














